Die Saupen

Das Haus Schilling Aitzendorf

Ein Saupe oder Landschöppe im Amt Rochlitz war einer von 16 Rechtspflegern, die im Amt dem Gericht beisaßen, bei Hinrichtungen beiwohnen mussten, Polizeiaufgaben wahrnahmen und sogar Obduktionen vornehmen mussten. Dafür waren sie von vielen Abgaben befreit und konnten sogar ohne Gebühr und Wegezoll auf den Märkten von Mittweida, Geithain und Rochlitz verkaufen.

Im Rochlitzer Amt gab es eine Gruppe von sechs Bauern die eine starke Körperschaft bildete. Es waren dies die Saupen oder Landschöppen.
Das Wort Saupe entstammt der wendischen Sprache, welche, unter einem Supan einen Herrn, einen Häupling, einen hervorragenden Mann verstand.
Die Saupenwürde lag auf bestimmten Gehöften, die nur gerichtstüchtige Leute guten Rufs erwerben konnten. Der Besitzer eines solchen Gutes wurde durch die Annahme des Grundstückes Landschöppe. Die richterliche Eigenschaft vererbte sich und einen solchen Mann nannte man auch „Erbschöppen“.
Im ältesten Register der Meissnischen Markgrafen von 1378 werden folgende Angaben gemacht:
diese Männer müssen jährlich
78 Scheffel Hunthafer
10 Brote und
2 Kalbsbäuche als Abgabe geben.
Aus einem Brief von 1475 geht hervor dass Freibriefe für Abgaben wie z.B. Hofdienste, Zöllen, Geleits- und Wegegeld gegeben waren. Dafür hatten sie einen Richter zu stellen, der über Schuld und Ungehorsam zu richten hatte, sowie bei einem Verkauf an Land dafür zu sorgen hatten, dass nur an einen frommen unbescholtenen Mann verkauft wurde. Als Gegenleistung erhielt der Landesherr einen guten Schock Groschen Lehnsgeld.
1813 waren drei Landschöppen in Gröblitz:
Johann Gottlieb Hahn, Johann Christlieb Hahn, und Johann Gottlieb Schilling.
Ein Schöppe Hahn war 1813 Richter.
Auf den Gütern 1843/45 saßen die Familien:
Karl Gottlieb Liebing (auch Liebich geschrieben), Johann Gottlieb Schilling und Christlieb Hahn als Saupen.

Rittergut Kleinopitz – bis ins 16. JH im Besitz der Familie

Diese merkwürdige Einrichtung bestand bis ungefähr 1845, der letzte Saupe erlebte sogar noch den Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Schilling hatten nachweislich seit dem 15. Jahrhundert, bis kurz vor 1700 Saupengüter inne, um 1600 sogar drei der 16 Güter gleichzeitig. Sie stellten mehrfach den Saupenrichter und waren mit den übrigen Saupenfamilien eng verwandt. Nach 1800 bis zur Aufhebung der Sonderrechte hatte wiederum ein Zweig der Schilling einen Saupenhof und behielten ihn bis in unsere Zeit.

Der letzte Schilling im Amt Rochlitz war mein Urgroßvater, der Fleischermeister Emil Schilling in Geringswalde. Die Nachfahren gingen nach Leipzig, Essen, München, Fürstenwalde und in die Schweiz.

Die Fleischerei in Geringswalde wurde in der Familie eines Stiefsohns Emil Schillings bis in die 1990er Jahre weitergeführt.